Freitag, 16. November 2012

Herr Physiklehrer, Hassenergie in Schmerzenergie umwandeln erscheint mir logisch und sinnvoll

"Der ZUSTAND DER VERZWEIFLUNG - das ist der Zustand eines bis zum Platzen gefüllten blutroten Ballons. In diesem Zustand existiert in ihrem Inneren ein weiteres Inneres, das nicht in sie hineinpasst, nicht passen kann, sie einzwängt, ihr die Luft zum Atmen nimmt, sie erstickt, ihr die Kehle zuschnürt.
Dieser Zustand ist der schlimmste von allen. Der, dem sie sich am wenigsten widersetzen oder entziehen kann, der zerrüttendste, der qualvollste. Der sie Ekel vor sich selbst empfinden lässt. Dann, wegen dieses Inneren, das einfach nicht passen will, verspürt Behiye den Wunsch, in einen anderen Körper zu schlüpfen. Sie will ihrem alten, sie einzwängenden, in sechzehn Jahren abgenutzten, armseligen, engen Körper entkommen, in einen neuen schlüpfen und den alten auf einer der Müllhalden der Stadt werfen. (...)
Sie möchte diese Kapsel aufbrechen, in die sie sechzehn Jahre lang gegen ihren Willen eingeschlossen war, möchte diese hässliche Hülle abstreifen und davonfliegen.
Ja! In diesem Körper kann es nicht weitergehen!"

- Perihan Magden, Zwei Mädchen / Istanbul-Story

Mal wieder unbeirrt zum Supermarkt spazieren, für 2,49€ 1500kcal in Form von mercis kaufen, sich ins Bett legen und eins nach dem anderen zusammen mit irgendeinem trashigen Thriller über einen Psychoserienkiller verschlingen, eine Stunde lang hibbelig sein, zum Sport rennen, sich bis an die Schmerzgrenze und bis kurz vom Kotzen anstrengen und sich dafür verabscheuen, dass man den Finger durch eine zentimeterdicke Speckschicht bohren muss, bis man die Muskeln spürt.
Diese punktförmige, alles umklammernde Energie, die hinauswill und schreit, verbrenn mich, erfrier mich, lass mich etwas fühlen, lass mich besser sein, und dann keinen anderen Weg finden, sie umzuwandeln, als so lange auf Hüften und Bauch einzutrommeln, bis sich da gigantische blaugelbe Flecken bilden, den anderen erzählen, sie kämen von einem Unfall mit der Schreibmaschine, zusammenfallen zu einem nichtssagenden Häufchen Dreck und mal wieder entdecken, dass es jemand anders gibt, der deine Gefühle schon sehr viel treffender in Worte verpackt hat, als du dazu jemals in der Lage wärst.

Sich die Freiheit vorstellen: mit Niklas und Malte im Auto davonzufahren. Die Füße auf dem Armaturenbrett. Glücklich, unwichtig, unersetzlich, drei sich liebende Idioten. Ich hab die Verantwortung für die Musik, passend zur Stimmung, zur Tageszeit, zum Wetter, und ich erstelle eine Glücks-Playlist und draußen rauscht die Scheiße vorbei und ich denke, fuck it, mein Universum ist a. nicht größer als dieses Auto und b. unendlich

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