Freitag, 1. August 2014

"Danke" ist das falsche Wort. Vielleicht eher: "Hallo."


"Lieber Kalle,

Ich verstehe dich nicht. Du bleibst verriegelt. Oben im Turmzimmer. Würde dich gerne knacken, wie eine Nuss. Eine dumme Nuss. Aber das bist du nicht. Möchte miterleben wie Wahrhaftigkeit aus deinem Mund fließt und sich deine Wahrheit in einem großen Schwall über allem niederwirft. Fakten über dein Herz und deine Synapsen - Wie das funktioniert in dir drin. Ich habe das Gefühl, dass das bei dir alles irgendwie anders läuft. Als würden nicht Hirn und Herz dir sagen, was Sache ist, sondern du jedem Organ vorschreibst wie es zu funktionieren hat. Ich glaube auch nicht wirklich daran, dass du schläfst. Das würde einfach nicht zu dir passen.

Ich weiß nicht ob du spielst, aber ich bete für dein Dasein. Falte nicht die Hände, Glaube nicht an Gott, aber wünsche dir einen Horizont abseits von Scripted Reality. Ich weiß nicht worin du wohnst. Vielleicht in einer Muschel oder einem Loch. Aber ich würde dich gerne mal dort besuchen. Vielleicht machst du mir ja einen Tee. Aber auch wenn du zu mir sprichst, weiß ich nicht woran ich bin. An deinem Mund, auf deiner Schulter, in deinem Kopf, deinem Herz?

Ich erlebe dich. Kann dich sehen, hören. Wie riechst du eigentlich? Und wenn ich den Himmel frage, ob ich bei dir angekommen bin, klingt ein ohrenbetäubendes Jein aus dem Universum zurück.
Mit 100 Dezibel. Ich weiß nicht viel über dich. Was dich angeht, bin ich ein Dummchen. Aber ich will kein Dummchen sein. Drum will ich dich lesen. Deine ganze Bibliothek und alle Fußnoten.

Es ist ein bisschen als hätte ich für dich gesungen. Laute geformt und gehört, gesummt, gebrummt. Bin stumm geblieben. Habe Pausen gemacht. Atem geholt. Meine Botschaft verpackt in vokales Bonbonpapier. In der Hoffnung du machst ein Duett draus. Und wir starten einen Frage-Antwort-Rap. Ich habe schon die Punchlines für dich zensiert.

Vielleicht habe ich dich enttäuscht. Aber es ist ein bisschen so als hätte ich für dich gekotzt. Weil ich weiß, dass es mir danach besser geht.

Lieber Kalle. Ich war und bin ein schlechter geheimer Freund.
Ich habe nicht mit dir gesprochen, aus Angst ich könnte auffliegen;
Auf die Schnauze fallen, enttarnt werden und in die Luft gehen. Mein Gesicht und meine Identität verlieren. Unsere geheime Freundschaft aufs Spiel setzen.
Ich habe dir nie was geschenkt und ich habe dir nie geschrieben.
Bestimmt hast du mich öfter als sieben mal verflucht, aber ich kann einfach nicht dein geheimer Freund sein. Denn ich will wissen wie es dir geht. Ganz Ohne Geheimnis. Drum widme ich dir meine Freundschaft, hier auf diesem Papier.

Dein Till"

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