Freitag, 8. August 2014

und nach dieser Portion Philosophie zurück zu der Werbung

Eigentlich hab ich gar keine Lust, diesen Text zu veröffentlichen, weil er so negativ ist und ich heute und morgen eigentlich nur gute Laune geplant habe; aber wenn ich mich zeitlich noch weiter von ihm entferne, gammelt er womöglich für immer zwischen den letzten beiden Seiten meines Tagebuchs.
Also immer raus mit der Scheiße!

Hat man eigentlich deswegen so viel Scheu, mit anderen zu sprechen, weil man nichts Banales sagen will?
So weit denken die meisten vermutlich nicht.
Wenn sich dann einer äußert und seine ganze Hirnkotze den Zuhörern ins Gesicht speiht in der Annahme, sie würden mit Dankbarkeit, Interesse und Liebe erfüllt lauschen, sich freuen, weil einer sich endlich öffnet und einen Einblick gibt in die vermeintlich einzigartigen Gefühle und Gedanken - dann ist das der größte Reinfall, der gedacht werden darf.
Die irrsinnigste Illusion von allen ist ja wohl die, man würde im eigenen Kopf jemals auch nur eine Wortfolge oder eine einzige winzige Nuance einer Emotion produzieren, die noch nie dagewesen ist.
Das ist Blödsinn, es ist egozentrisch, es ist dumm und es ist größenwahnsinnig.

Trotzdem gibt es Menschen, deren Inneres ich gerne vor die Füße gekotzt kriege. Glitzernde Kotze.
Menschen, die mich faszinieren und berühren und in mir den Wunsch wecken, mich auszutauschen. Hirnmasse tauschen.
Wobei hier sofort die Frage lauten muss: wenn ein Text, ein Satz, eine Idee, eine Einstellung Faszination auf mich ausübt und mir gefällt, ist es dann nicht vielleicht nur deswegen, weil ich mich darin wiederfinde, weil ich damit übereinstimme, und finde ich das nicht vielleicht nur deswegen toll, weil ich insgeheim nämlich doch angenommen hatte, einzig und allein dazustehen?

Das Leben und jegliche soziale Interaktion ist doch nur eines: nach Übereinstimmung suchen.
Sind wir jemals bereit, etwas wirklich Anderes einzulassen, uns einzulassen auf etwas tatsächlich Fremdes?
Nur die Mutigsten.
Was unter uns ist, verachten wir, und was über uns ist, verstehen wir meist nicht.
Was ich suche, sind die Personen, die exakt meine Maße haben: meine Wellenlänge, meine Rufweite, meine Herzfrequenz. Einen Millimeter zu viel oder zu wenig, und man rutscht ab, entgleitet einander und hat sich früher oder später nichts mehr zu sagen.
Was wir brauchen, ist unser eigener gespiegelter Zwilling.

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