Sonntag, 22. März 2015

you're my favorite what-if

Ich male dir ein Bild. Falsch.
Ich male mir ein Bild von dir und mir und haenge es unter mein Bett.

Es ist Sommer, und es ist der vierte heisse Tag im Monat. Der vierte Juli.
Du hast keine Vespa, aber ein gelbes Fahrrad.
Ich bin frei und ungebunden, aber ich liebe dich. Oder meine Idee von uns.
Ich sitze auf dem Gepaecktraeger und mache mich extra schwer und warte auf deine Beschwerde, ich baumle mit den Beinen und bringe uns aus dem Gleichgewicht und warte darauf, dass du mich ausbalancierst, ich lasse meine Tasche dicht an den Speichen vorbeischwingen.
Meine Tasche: alte Sofadecke, Raetselheft, Kopfhoerer, Chinanudeln, dein Portemonaie, Eistee.
Nichts Aufregendes. Nichts Gefaehrliches.
Ich weiss nicht, wohin das fuehren soll, ich spreche es aus, du hast mich nicht gehoert, weil der Wind von vorne kommt.

Du bist nicht braun, muskuloes, schlank, athletisch, nicht so wie ich und die Jungs, mit denen ich letzten Sommer aus Versehen geschlafen habe, bevor ich die Theorie entwickelte, dass man jemandem viel besser nah sein kann, wenn man ihn nicht erst 3 Stunden kennt und bereits verachtet fuer die Geraeusche, die er macht und die Worte, die er sagt.
Mein Deutschlehrer sagt, wir sollen nicht pauschalisieren. Wir sollen Personen benennen und 'ich' statt ' man' sagen, wenn wir das meinen.
ICH kenne DICH laenger als 3 Stunden. Ich kenne dich 3 Jahre.
Ich kenne fast alle deine Geraeusche. Du schnarchst und summst und schnaubst, aber zum Glueck schmatzt du nicht, das wuerde mich wahnsinnig machen.
Du hast roetliche, undefinierte Oberarme und eine Flohleiter. Es ist mir vollkommen egal.
Du hast die gleichen Traeume vom Fliegen und die gleichen kindlichen Fragen. Wir gruebeln 3 Stunden ueber Fragen wie diese: Wie kamen Menschen auf die Idee, eine Pflanze anzubauen und zu trocknen und in aus anderen Pflanzen gepresste Vierecke zu rollen und anzuzuenden und zu inhalieren? - waehrend du eine nach der anderen rauchst und ich dir sage, dass du damit aufhoeren sollst. Du lachst. Du lachst mich an, und mit mir, und mich aus und ueber mich. 
Ich lache auch ueber mich. Ich bin laecherlich gluecklich.
Schnappschuss von uns: Du mit Muetze und Kapuzenjacke, ich im Streifenshirt, Fuesse auf der Stuhllehne, Haare irgendwie hoch und zerzaust. Wir gucken uns nicht an, gucken beide so vor uns hin, laecheln. Die Sonne scheint.

Ich sitze auf deinem Gepaecktraeger und lausche deinen Angebereien und hake nebenbei einen oder zwei Finger in deine Jackentasche. 
Du wuerdest mir niemals Fruehstueck machen, aber immer einen Gute-Nacht-Joint drehen. Ich wuerde dir niemals verliebt in die Augen schauen, aber immer deine Haare verwuscheln. Ich liebe deine Haare. Sie sind keine Idee von mir, sie sind tatsaechlich da.
Wir sind da. Ich steige ab. Du willst nicht ins Wasser, also tauche ich alleine unter und traeume von dir und mir in deinem Bett. Wir wuerden niemals miteinander schlafen, aber immer darueber nachdenken. Wir wuerden niemals funktionieren - darum ist es so einfach mit dir.

Ich male mir ein Bild, auf dem etwas zwischen uns steht.
Zwischen uns steht: eine Liste der Songs, die wir uns gezeigt haben.
Eine Nacht an deinem Wohnzimmertisch, auf deiner Terrasse und deinem Sofa.
Ein unvollstaendiger Chatverlauf.
Ich wuerde dich jederzeit reinlassen, wenn du wieder vor meiner Tuer stehen wuerdest.
Ich spreche es aus. Du schreibst mich ab. 

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