Donnerstag, 28. Februar 2013

willst du zuhören, doch Schmetterlinge sterben so laut

Ich hatte einen richtig grausigen Traum.
Ich war mit Niklas auf irgendso einer Messe. Ich musste auf Toilette. Niklas kam aus irgendeinem Grund kurz mit in die Kabine, die ziemlich groß war, eher ein kleines Badezimmer, und ging dann raus.
Als ich schon auf dem Klo saß, fiel mir auf, dass er vergessen hatte abzuschließen, und im nächsten Moment kam ein riesiger breiter Schwarzer mit knallblauen Augen rein. anstatt zu erschrecken wie ich, sich zu entschuldigen und wieder rauszugehen, guckte er, als hätte er gerade unerwartet einen richtig fetten Fang gemacht. Kam rein. Schloss ab.
Mir wurde so richtig eklig schlecht vor Angst.
Er sprach kein einziges Wort, bedeutete nur, er wolle meinen Arsch sehen, und als ich nichts tat, zeigte er mir lächelnd eine Pistole in der Innentasche seiner Lederjacke.
Ich so: wenn ich das mache, kann ich dann gehen? Dann kann ich doch gehen? 
Wenn mir gefällt was ich sehe.
Er beugte sich über mich wie ein Vater, der die Hausaufgaben seiner Tochter begutachtet. Dummerweise stolperte ich und zog mir dabei die Hose hoch. Er grinste wie ein Haifisch. Setzte sich auf den Klodeckel und bedeutete mir, dass das leider nicht gereicht habe und ich mich auf seinen Schoß setzen sollte. Da bin ich voll abgedreht, hab angefangen zu japsen und zu heulen und meinte, nein, er kann ruhig alles sehen, dabei zog ich mir mein T-Shirt hoch, wenn er mich bloß nicht anfasst. ich war ganz zerbrechlich und trug einen weißen Spitzen-BH. Ich verzog mich in die hinterste Ecke des Raums.
Er grinste einfach nur. Die nächsten Stunden habe ich im Zeitraffer geträumt, und das einzig Wichtige war die alles beherrschende Angst. Dann kam irgendwie Niklas rein und versuchte irgendwas mit einem Feuerzeug, um den Mann zu verjagen, aber es ging nicht an, und der Schwarze holte seine Pistole raus, und ich wurde hysterisch und versuchte sie zu entladen oder in seine Richtung zu drücken und er grinste die ganze Zeit und wusste genauso gut wie wir, dass wir eh keine Chance hatten.
Dann wachte ich auf.

Die Angst war immer noch da.
Ich raste schon aus wenn ich sowas nur träume. Und der Mann in meinem Traum hat mich nicht vergewaltigt. Ich habe nur von der Angst geträumt, und ich glaube, sie ist das Schlimmste. Für all die verlorenen Mädchen. Die Angst, die nur so lange noch da ist, wie deine grausame Hoffnung noch existiert. Hoffnung darauf, gerettet zu werden. Hoffnung auf Schadensbegrenzung. Hoffnung auf das Ende vom Schmerz. Und Angst, dass diese Hoffnung nicht erfüllt wird.
Und die Angst danach. Vor jedem fremden Mann auf der Straße. Vorm Alleinsein. Vor der Dunkelheit. Vor jeder klitzekleinen Entscheidung --
Bis sie dann nicht mehr da ist. Irgendwann verschwindet die Angst, und mit ihr jedes andere Gefühl, jede Bewegung. Es wird ganz still. Die Antworten haben alle sinnlosen Fragen brutal vernichtet wie Antimaterie, und nichts ist mehr von Bedeutung.
Ich bete inständig zu Gott, wenn es ihn gibt, lass mich niemals solche Erfahrungen machen müssen. Ich könnte es nicht ertragen. Keine trägt ein solches Schicksal, ohne für den Rest des Lebens nur ein Schatten von dem zu sein, was sie hätte sein können. Ich bin so voller Bewunderung für alle Mädchen, die trotzdem nicht aufgeben. Meine Knochen frösteln von innen bei dem Gedanken, wie viele tagtäglich verbraucht und weggeschmissen werden und die ein ganzes Leben nur darauf verwenden, sich selbst wiederherzustellen.

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