Freitag, 9. Mai 2014

i used to be special... so very special

"ON THOSE GREY DAYS WHERE EIGHT IN THE MORNING LOOKS NO DIFFERENT FROM NOON AND NOTHING HAS HAPPENED AND NOTHING IS GOING TO HAPPEN..." 
 - Augusten Burroughs, Running with Scissors

Das Schlimmste von allem ist, dass ich mich eigentlich nicht beschweren darf. 
Ich darf mich definitiv nicht beschweren: denn bei mir ist ja alles ganz normal.
Ich bin immer noch schlank. Ich bin immer noch dünner als die meisten meiner Freundinnen; mein BMI ist exakt im Normalbereich; unter Gleichaltrigen falle ich nicht besonders auf, außer vielleicht durch mein Sportpensum.
Aber genau das ist es, was mich so kolossal hibbelig und unzufrieden macht: ich sehe, wie mein Körper sich denen der anderen immer mehr angleicht, ich werde normal, man muss sich in keinem Fall Sorgen um mich machen, denn ich habe keine Probleme. Dieses verdammte Mittelmaß macht mich komplett verrückt.

Wieviel Spaß das gemacht hat, immer gerade an der Grenze zum mäßigen bis starken Untergewicht herumzuschrammeln, was für ein herrliches Gefühl, wenn die Freundin, die 10 cm kleiner ist als du und ganz normal aussieht, 10 kg mehr wiegt.
Großartige Sache, wenn man jemand hungrigem anbietet, eine Mohnschnecke zu teilen, und die erste Antwort lautet: "Aber hey, isst du denn auch genug?" 
Wunderbar, mir auszurechnen, dass ich mit nur 2 Kilo weniger einen BMI von 16 hätte und nach ärztlichen Maßstäben eigentlich zwangsernährt werden müsste (kompletter Schwachsinn, aber das macht ja nichts)
Früher habe ich gezählt, wie oft in der Woche mir jemand gesagt hat, dass ich zu dünn bin. Ich hasse das Wort "schlank". Es klingt so gesund. Es klingt nach geheucheltem Kompliment. Natürlich will ich gesund sein, aber das war ich ja vor anderthalb Jahren auch mit 50 Kilo. Ich will da wieder hin. Weg vom Durchschnitt. Ran an die Grenzen.
Ich will wieder "die große dünne Freundin" sein, ich will die Sonne zwischen meinen Beinen durchscheinen sehen, ich will meinen Oberarm mit einer Hand umfassen können. Und was für ein Triumph, sich in Frauenzeitschriften die Maße irgendwelcher Stars durchzulesen und frohlocken zu können: ich bin weniger als Victoria Beckham! Ich bin stärker als sie! Wenn ich auf dem roten Teppich stünde, bräuchte man für meine Figur kein Fotobearbeitungsprogramm!
 Ich hab keine Lust mehr, grau und gleich zwischen meinen Freundinnen dahinzuschwappen und kein Alleinstellungsmerkmal zu haben, über das ich mich freuen kann, wenn ich alles andere scheiße finde. "Sie ist in allem besser als ich - aber wenigstens bin ich dünn!"

Und ich weiß, das hier klingt wie der übelste Magersüchtigenpost, aber das macht einen falschen Eindruck. Man müsste es eher so sehen: im Moment bin ich nach meinen Maßstäben übergewichtig, ich will einfach nur zurück zu meinem eigenen Idealbild - dem ich ja schließlich schon mal entsprochen habe. 
Nichts leichter als das. Oder?

1 Kommentar:

  1. hallihallo, ich fand eleanor & park richtig schön, auch das ende, ich mag es, wenn man noch platz hat, um sich seine eigenen Gedanken zu machen und diese Mehrdeutigkeit, die Platz gibt für die eigenen speklationen, z.B. bei looking for Alaska (ich will nicht spoilern, wenn du es noch nicht gelesen hast) ist es am Ende ähnlich oder auch bei tfios, ich mag es, weil man dann auch noch nach dem lesen, in der geschichte drin bleibt und die geschichte nicht einfach mit der letzten seite aufhört.

    Reiseführer lesen ist toll und dann fragt man sich, wie man das jemals schaffen soll, an all die orte zu kommen, die man noch sehen will:)

    das zitat oben ist gut, und ich weiß nicht genau, wie ich mich auf deinen text beziehen soll/kann/darf, ich bin nicht in deiner Situation, also sehe ich mich nicht im geringsten in der lage, dir ratschläge geben zu können oder dir irgendwelche Moralpredigten zu halten, ich glaube auch nicht, dass das irgendetwas bringen würde, ich will dir nur sagen, dass es so etwas wie "normal sein" gar nicht gibt und ich weiß nicht, wie man diesen satz beenden kann, ohne kitschig und peinlich zu klingen, vielleicht: und jeder ist etwas besonderes auf seine art und bitte reiß mir jetzt nicht den kopf ab, weil ich so unbeholfen bin und weil ich vielleicht etwas richtig dummes gesagt habe.

    Liebst, Carolin

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