Montag, 28. August 2023

Myro,

wenn ich deinen Schlüssel noch hätte,
würde ich mich in der Nacht zu dir schleichen
mich an dein Bett setzen
mit einem Kescher in deine Albträume kriechen.
 
während du schläfst, spiele ich Spedition:
unhandliche, schwer transportierbare Stücke Schmerz
trage ich nach und nach aus deinem Herzen
und stelle sie in meinem ab,
bis meins aussieht wie eine Rumpelkammer
und deins wie ein Lichtluftbad.
 
mein Herz ist dann ein Lagerraum für die große Liebe.
Wenn ich versuche, die Tür zu öffnen, stoße ich gegen eine Erinnerung,
ganz dünn machen muss ich mich
um überhaupt hineinzukommen,
in mein Herz.
 
Ganz dünn mache ich mich. Und stelle mich zwischen
die Zärtlichkeit in deinen Augen und mein köstliches Gefühl des Fallens
meine Ungläubigkeit, dich gefunden zu haben, und deine Versprechen
unsere Worte
unsere Nächte
unsere Kämpfe
unsere Zukunft,
ich stehe da
zwischen allem
was zwischen uns war
und allem, was zwischen uns stand.
 
Ich möchte deinen Schmerz an mich nehmen
und auf meinen stapeln,
um es ein für alle Mal zu begreifen:
so fühlt sich Liebe an.
Dieses doppelte Grauen, dieses zweifache Zerbrechen,
dein Verlassen Worden Sein und mein Dich Verloren Haben,

das Bedürfnis,
sich die Augen auszukratzen,
am Weinen zu ersticken,
zum Grund des Ozeans zu sinken,

die Unfähigkeit,
zu denken,
zu handeln,
zu atmen,

das 
ist Liebe.

Ich möchte deinen Schmerz an mich nehmen
und auch deine Erinnerung,
damit du morgen unverletzt und unbeschwert
und leichtfüßig und zuversichtlich
aus dem Bett steigst und deinen Weg gehst
und es gut machst.
Und es gut hast.
 
Ich habe derweil nichts gelernt:
mein größter Wunsch,
meine inständigste Hoffnung,
mein magisches Denken,
 
der letzte Grund, warum ich deinen Schmerz an mich nehmen will –
ist, dass dein Weg irgendwann meinen wieder kreuzen kann
und du mir dann nichtsahnend die Hand reichst und lächelst
und sagst: Freut mich, dich kennenzulernen.

(28.08.2023)

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