Dienstag, 14. Juni 2016

"high und besoffen vom Wahrheitstrunk" oder: Was ich euch immer schon mal sagen wollte (1)

aus meinem Tagebuch vom 01. Oktober 2014

"Ich sitze unten in der Küche, draußen hat's geregnet, und ich las dich grade nochmal von Anfang an. Kam aber nur bis Mitte August, und jetzt sitz ich hier seit zehn Minuten irgendwie fassungslos rum und grüble kopfschüttelnd vor mich hin. Die Frage des Abends lautet: WAS IST LOS MIT DIESEM KERL?! Mit welchem Kerl? Och, ich hätte da mehrere im Angebot, Haupt- und Nebencharaktere.

Allen voran MALTE T-------:
Entschuldige, ich weiß, mit dem hab ich dich genug genervt und er hat nie etwas anderes getan, als Verwirrung zu stiften, aber WIE KANN DAS ANGEHEN, dass ein Mensch sich so mehrdeutig verhält?! Man könnte echt zu dem Schluss kommen, er sei schizophren.
Malte #1: habe ich vor mittlerweile EINEM JAHR (!!!) in Albstedt kennengelernt. Wir sind auf den Millimeter genau auf einer Wellenlänge, egal welches Thema, egal was wir machen - ich bin dabei, also ist Malte dabei. Malte ist am Start, also bin ich am Start. Das könnte eine richtig, richtig gute Freundschaft werden, so eine Mit-80-über-die-Pfleger-im-Altenheim-lästern-Freundschaft.
Malte #2: schreibt mich an und fragt, wie's mir geht, läuft mir auf den Seminaren ständig über den Weg, fasst und guckt und lächelt mich an, dass mir schwindelig wird. Kommt immer wieder auf Dinge zurück, die ich gesagt oder getan habe, spricht mir seine Bewunderung aus, kommt ins Mädchenzimmer nicht wegen Anna, sondern weil ihm ein Witz eingefallen ist, "bei dem er an mich denken musste", vertraut mir Geheimnisse an. Bemerkt, wenn es mir schrottig geht, stellt mit mir im Dunkeln in der Kälte draußen zu zweit Teelichter auf, obwohl es überhaupt nicht zu seinen Aufgaben gehörte (Meppen). Will mich als einziges als seine Kickerpartnerin, verliert Näherkommen, macht eindeutige Andeutungen, ist so sehr er selbst, dass man das nur lieben kann. Kümmert sich. Um mich.
Malte #3: Reagiert nicht, schläft die ganze Zeit, redet Schwachsinn, der nicht ehrlich rüberkommt und als würde er irgendwem was beweisen wollen, lässt mich links liegen, ist desinteressiert und abweisend und hart und langweilig, eine Spaßbremse, kann sich nicht mal anständig entschuldigen, meldet sich nie. Reagiert nicht. Verschwindet einfach.
Und wie soll ich daraus bitte schlau werden, hm, wenn all diese Dinge, all diese Reaktionen und Interaktionen mit mir in EINER EINZIGEN PERSON VEREINIGT sind und noch nicht mal chronologisch aufeinander folgen, sondern sich ABWECHSELN. Es kommt vor, dass ich allen drei Maltes an einem Abend begegne. Der "Ich liebe dieses Gesicht ich würde für ihn Rosen pflücken Lieder schreiben meine Würde vergraben, aber auch mit ihm Joints rauchen Fußball gucken Pferde stehlen über Brüste reden"-Teil von mir kämpft hartnäckig und penetrant gegen den mir rational betrachtet sehr viel sympathischeren, weil Sinn machenden und überlebensfähigen "Fick ihn, wenn er nicht weiß was er will oder dich schlicht nicht will, warum solltest du dir deinerseits irgendwelche Mühe geben? Denk nicht über Dinge nach, die dich wahnsinnig machen, weil du keine Antwort findest. Und überhaupt, soo toll ist der auch nicht - konzentrier dich auf Menschen, die DA SIND"-Teil von mir. Hach, was für ein ellenlanger, für Nichtmuttersprachler entsetzlich schwer verständlicher Schachtelsatz. Ich würde gerne einfach sagen: Bye-bye Malte, wir sehen uns nie wieder und du juckst mich überhaupt nicht. Aber damit gibt sich dummerweise keiner der beiden Teile zufrieden, sie wollen Antworten, Beweise, Erklärungen, einen Abschluss. Schade Summer.

Kommen wir zu Platz zwei der unverständlichen Kerle, die mir auf deinen Seiten bis Mitte August Rätsel aufgeben: TILL W-----.
Ich will nichts von Till und er ist mir nicht unersetzlich, aber Folgendes würde ich doch gerne wissen: wie kann man einen SOLCHEN TEXT wie den Brief an Kalle schreiben. Und dann auf die Briefantwort nicht antworten? Menschen haben sich ja schon so einiges erfunden und eingebildet und per Wunschdenken überinterpretiert; aber ich habe diesen Brief mindestens zehnmal gelesen und bin mir sicher, ICH IRRE MICH NICHT, ES STEHT JA DA: "Drum widme ich dir meine Freundschaft, hier auf diesem Papier." Wenn man diesen Brief liest, gewinnt man doch schon irgendwo den Eindruck, dass Till sich Gedanken über mich gemacht hat. Oder wie ist das bei Ihnen, Herr W, pflegen Sie solche Texte an alle x-beliebigen Menschen zu schreiben, von denen Sie nie wieder hören wollen? Haben Sie tiefe Verbindungen wie andere Leute One Night Stands, wechseln Sie Ihre Forschungsobjekte wie Karl Lagerfeld seine Musen, war das vielleicht ein soziales Experiment? Eine Inszenierung? Das Ding ist ja, dass ich gar nichts von Till erwarte. Er muss sich nicht regelmäßig melden, er muss nichts zu meinem Blog sagen. Er muss ihn nicht mal lesen. (Obwohl ich weiß, dass er es tut.) Ich finde, er ist ein sehr eigener, überaus interessanter und faszinierender Mensch, mit dem ich mich gerne austausche, und ich hätte nie gedacht, dass er über mich auch Dinge dachte, Überlegungen anstellte. Was in dem Brief an Kalle stand, hat mich sehr berührt. ABER WARUM ZUM TEUFEL GIBT ES KEINE FUCKING FORTSETZUNG?"

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