Erfahrungen machen, wissend, dass sie zu Geschichten werden. Mit Else durch die Stadt jagen (ja - Character Development Factor 1000: ich habe jetzt ein Fahrrad, und ich liebe es abgöttisch.) Nächte mit meiner Mama, in denen wir Gespräche auf absoluter Augenhöhe und mit völlig offenem Visier führen. Meine Freundinnen, diese starken, besonderen, bewundernswerten, großartigen Frauen. In meiner Wohnung herumtüdeln, nach Hause kommen. Den Sticker über der Klinke meiner Wohnungstür, den ich für meine erste eigene Wohnung aufgehoben hatte, seit ich 19 bin: "GEHEN ODER BLEIBEN". Die Rindernudelsuppe bei Shaniu's in Berlin. Momente mit Sande, in denen ich etwas sage und sie in schallendes Gelächter ausbricht und ich weiß, dass sie weiß, was ich meine, und sie weiß, dass ich weiß. Meine Chili (ein weiteres Character Development: ich habe jetzt Pflanzen). Mich vollkommen in akademisches Denken vertiefen. Viel zu früh bei der Arbeit sein, um gratis Kaffee zu trinken und den wunderbaren Freaks, die meine Kollegen sind, beim Existieren zuschauen. Abrechnung machen und Trinkgeld zählen und mich fühlen wie Krösus, wenn ich beiläufig 100€ zusammenfalte und in meinen Geldbeutel stecke. Gelegenheiten wahrnehmen. Tattoos planen. Das Zanshin Dojo mit allem, was es für mich ist - mein zweites Zuhause, mein safest space, mein Ort zum Abreagieren und Abschalten, „the forge (...) the crucible (...) the furnace (...) a machine that pulls you out of in-difference, out of in-existence, a machine running full bore“ (Wacquant 2004, Body and Soul). Das Gefühl des Highseins nach dem Yoga. Das Gefühl, dass mein Körper stark und voller Energie und genau richtig viel ist (die Überreste der gedanklichen Infrastrukturen einer Essstörung verlassen einen niemals, aber ich glaube, ich bin so weit im Heilen gekommen, wie es mir möglich ist. Ich wiege mittlerweile 60kg und sehe erstaunlicherweise aus, wie ich mich vor zehn Jahren nur mit 12kg weniger gefühlt habe). Die vor Konzentration summende Stille einer Unibibliothek. Das friedliche Streunen durch Buchläden. Mir keine Sorgen über das Geld machen müssen, das ich für Notwendiges und Luxuriöses ausgebe, und zu wissen, dass ich mir dieses Gefühl sehr hart erarbeitet habe. Meine Lederjacke. Kapuzenpullover. Mir im Nagelstudio eine Farbe aussuchen, die zufällig einen perfekt zu meiner Stimmung passenden Namen trägt. Boxbandagen wickeln. Die Tätowierung auf meiner rechten Hand. Meine Großeltern. Eine Aufgabe abzuschließen und zu wissen, dass ich sie verdammt gut gemacht habe. In das Nähmaschinenpedal unter meinem Küchentisch treten. Leute bei mir zuhause willkommen heißen. Wochenmärkte. Alleine unterwegs sein. Alleine unter Menschen sein, die friedliche Dinge tun. Liebesgedichte. "Leaving" von Wendy Cope. Morgens darauf warten, dass meine Espressokanne fertig wird. Kühlschrankmagnetwörter. In Diskussionen gemeinsam Dingen auf die Spur kommen. Einen mir noch unbekannten Menschen erforschen. Sex, über den ich nicht nachdenken muss. Mich in Sonne und Hitze auflösen. Tagelang nur einen Song hören. Julians Art zu schreiben. Rauchen ohne schlechtes Gewissen. Wie Helena "Hoppala" sagt. Das britische Equivalent zu "Eulen nach Athen" ("coals to Newcastle", lol). Impulsiv Entscheidungen treffen, ohne andere Menschen miteinbeziehen zu müssen. Gedanken an die Zukunft (MAJOR Character Development). Eine Sprache verstehen, die ich eigentlich nicht spreche. Muschelsud. Müßig mit den Zehen wackeln. Dasein.
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